Die schöne Zeit ist vorbei. Jetzt beginnt wieder die depressive Phase. Winter. Und damit ich richtig in Stimmung komme, hat mir mein Vermieter die Heizkostenabrechnung für 2008 zukommen lassen. Mit ‘ner saftigen Nachzahlung.
Mit Wehmut erinner ich mich dann doch lieber an diesen schönen, leider viel zu kurzen Sommer. Er begann damit, dass ein Freund ich ich auf dem Balkon einen kleinen Topfgarten züchteten, der uns bei jedem kleinen Bier und jeder Zigarette mit Freude und Farben beglücken sollte. Dieser kleine Garten war ein Refugium für die Wildheit auf diesem ach so spießigen Balkon.

Über eben diesen Lottergarten schrieb mein Gartenfreund nun eine kurze Abhandlung.
"Fata viam invenient!" (Das Schicksal findet seinen Weg/ Aeneas – Vergil)
- Abhandlung zum Thema "Garten" -
Ein Garten ist eine abgegrenzte Fläche. Prominent sind zwei Nutzungsmöglichkeiten:
Erfolgt ein Anbau von Pflanzen mit Erntegedanken, so spricht man von einem ergebnisorientierten Ertragsgarten.
Ein deutlich abzugrenzendes Konzept liegt dem freien Lottergarten zu Grunde. Dabei handelt es sich um eine auf Antiautorität basierenden Idee, die als Gegenbewegung zum ergebnisorientierten Ertragsgarten entstanden ist. Befürworter heben nicht selten die leichte Pflege hervor, die sich oft mit ihrem eigenen Lebensstil deckungsgleich gestaltet.
Zu beachten ist jedoch auch, dass gerade in der sich immer weiter entwickelnden Szene der Lottergartennutzer ein konkurrierendes Getümmel entsteht. Wirr und erschreckend aggressiv versucht der Lottergartenbesitzer mit noch nicht evaluierten Vergleichsrastern Seinesgleiche aus der Szene zu vergraulen und sie zu verhassten ergebnisorientierten Ertragsgartenanhängern zu denunzieren. Es entsteht ein chaotischer Zustand, der gerade auch in der alternativen Kulturszene Anklang zur Diskussion findet: Handelt es sich bei der zugrunde liegenden Handlungsideologie der Lottergartennutzer noch um eine logische Konsequenz ihrer Selbst oder schafft diese Stringenz schon blasphemische Inhomogenitäten? Doch selbst hier ließe sich bei genauem Hinsehen eine gewisse Lotterlogik erkennen. Um diesen Gedanken verstehen zu können, sollte man sich gedanklich noch einmal ein wenig aus dem Mikroskopischen zum Makroskopischen bewegen. Schaut man sich eine abgegrenzte Fläche einer Lottergartenkultur an, so entdeckt man auf kleinstem Raum ein das natürliche Maß an Streit- und Konkurrenzlustigkeit deutlich übersteigendes Potenzial! Diese Rivalität lässt sich nicht als jungenhaftes Kräftemessen verharmlosen, sondern verwurzelt sich im Urtrieb der Lebensliebe. Überlebenswille, der Ellenbogenkräfte mobilisiert, ist der Gesellschaft aus jeglichen anderen Bereichen bereits bestens bekannt und kann hier übertragen und dann wiedergefunden werden. Diese Erkenntnis darf nicht vor dem Garten Halt machen! Es muss mit aller Entschiedenheit hier weitergedacht werden um Präventionen erarbeiten zu können!
Der Lottergarten an sich lässt sich daher mit Krieg auf kleinstem Raum übersetzen. Katastrophale Ausmaße ergeben sich da als potenzielle Gefahr, wenn sich die Tendenz des Zulaufs der Lottergartennutzer weiterhin so dramatisch zeigt. Man kann nur hoffen, dass hier schnell genug Gesetze der Selbstregulation greifen und Lottergärten in Schach gehalten werden!
[Update] Das mit dem Ende des Sommers nehme ich vorerst mal zurück.