Mit dem Recht haben ist das so eine Sache. Die einen meinen es bekommen zu müssen und die anderen haben es sowieso schon immer. Wer aber Recht hat entscheiden in Deutschland glücklicherweise die freien Richter in der Auslegung der parlamentarisch beschlossenen Gesetze. Wenn man plötzlich erklärt bekommt man sei nicht im Recht, ist das meist das Ende der Welt oder noch schlimmer. Der Rechtsstaat wird in Frage gestellt und zuweilen die Diktatur zurückgewünscht. Denn da wäre sowas bestimmt nicht durchgelassen worden.
Aber zum Glück gibt es auch immer einen “Gewinner”. Und so fühlt sich der sich dann auch. Nur leider nicht besonders sportlich. Denn wer Recht bekommt ist häufig viel schlimmer als der Verlierer Gegner. Denn da man ja nun das Recht hinter sich hat, meint mancher erst richtig aufpupen zu können. Da wird das Wort “Gewinner” wörtlich genommen und alles dran gesetzt seinen Gewinn auch einzulösen. In zum Teil unverschämtester Art und Weise zelebrieren da die Leute mit Hohn und verbalen Ausrütschen ihren Sieg. Was leider dabei leicht vergessen wird: Recht soll bedeuten ein Gleichgewicht herzustellen. Kommt es jedoch zu einer Verschiebung, entscheidet das Gesetz ob diese zu einem Übergewicht auf einer Seite führt und die Rechtswaage daher ins Schwanken kommt. Das ist nicht nur im Zivilrecht so, wo Regressansprüche einen entstanden Schaden wieder ausgleichen sollen. Das gilt auch für das Strafrecht. Hier soll, zumindest theoretisch, die schuldhafte Tat durch Strafe wieder ausgeglichen werden. Mehr aber auch nicht!
Jeder kennt die Situation. Da steht man nichts ahnend in der Schlange im Supermarkt, als plötzlich ein aufgebrachter Kunde in den Laden stürmt und sich lauthals über die Mangelhaftigkeit seiner eben gekauften Salami beschwert. Der ansonsten so kühl bleibende Deutsche, der nicht mal in Paarungszeiten zuviel Emotion zeigen kann, besticht mit südländischen Temperament als er erklärt, er wolle die neue Ware haben oder noch besser sein Geld wieder haben! Die Verkäuferin ist dann zumeist etwas erschrocken und ruft erst einmal den Filialleiter, der die Ware dann in der Regel auch austauscht. Keine Frage. Der Kunde ist natürlich im Recht. Aber muss das auch immer so unverschämt zum Ausdruck gebracht werden? Man hat häufig das Gefühl, der Kunde würde am liebsten im Wege einer Privatklage strafrechtlich gegen den Verkäufer vor gehen. Ich weiß nicht ob dieses Verhalten typisch deutsch ist. Aber vielleicht sollte man einfach mal ab und an daran denken, was man eigentlich will. Richtig! Recht. Aber das hat man doch schon. Also kein Grund weiter zu brüllen…